Hintergrund
Kreatin wird nicht nur in der Skelettmuskulatur gespeichert, sondern auch im Gehirn. Dort dient es, wie im Muskel, als kurzfristiger Energiespeicher. Das Gehirn gehört zu den energieintensivsten Organen des Körpers und ist auf eine konstante ATP-Versorgung angewiesen. Die Idee dahinter: Wenn Kreatin die Energieversorgung in der Muskelzelle verbessert, könnte ein ähnlicher Mechanismus theoretisch auch im Gehirn wirksam sein.
Vegetarier und Veganer haben von Natur aus niedrigere Kreatin-Spiegel im Gehirn, da Kreatin hauptsächlich über Fleisch und Fisch aufgenommen wird. Diese Gruppe zeigte in einigen Studien stärkere kognitive Veränderungen durch Kreatin-Supplementierung als Personen mit fleischhaltiger Ernährung.
Was die Studien zeigen
Xu et al. werteten 2024 in einem systematischen Review und einer Meta-Analyse 16 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 492 Teilnehmenden aus. Die Ergebnisse waren uneinheitlich. Jüngere Erwachsene, Frauen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen zeigten in einzelnen Studien Verbesserungen bei Gedächtnis und Konzentration. Bei älteren gesunden Erwachsenen waren die Effekte weniger konsistent.
Sandkühler et al. untersuchten 2023 an der Universität Bonn in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie die Wirkung von Kreatin-Monohydrat auf kognitive Leistung über sechs Wochen. Die Ergebnisse zeigten keine signifikanten Verbesserungen gegenüber Placebo bei gesunden jungen Erwachsenen.
Besonders interessant ist ein anderer Ansatz: Studien zeigen Hinweise darauf, dass Kreatin die kognitive Leistung bei Schlafentzug und starker mentaler Erschöpfung stabilisieren kann. In diesen Stresssituationen, in denen die Energieversorgung des Gehirns unter Druck gerät, scheint Kreatin einen messbaren Unterschied zu machen.
EFSA-Entscheidung 2024
Im November 2024 hat die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA eine Stellungnahme zur Frage veröffentlicht, ob Kreatin einen zugelassenen Health Claim für kognitive Funktion erhalten soll. Das Ergebnis: Die EFSA kam zu dem Schluss, dass anhand der vorgelegten Studien kein ausreichender Zusammenhang zwischen Kreatin-Supplementierung und verbesserter kognitiver Funktion nachgewiesen werden konnte. Ein Health Claim wurde nicht zugelassen.
Das bedeutet nicht, dass Kreatin keine Wirkung auf das Gehirn hat. Es bedeutet, dass die bisherige Evidenz aus Sicht der EFSA nicht ausreicht, um eine verlässliche, reproduzierbare Aussage für die allgemeine Bevölkerung zu treffen.
Einordnung
Das Thema Kreatin und Gehirn ist wissenschaftlich relevant und wird aktiv erforscht. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich und die Studienlage noch nicht ausreichend, um klare Aussagen zu treffen.
Für BS3 gilt: Wir kommunizieren nur, was belegt ist. Der zugelassene EFSA-Health Claim für Kreatin bezieht sich auf die körperliche Leistung bei Schnellkrafttraining, nicht auf kognitive Funktion. Dieser Beitrag dient der Information über den aktuellen Forschungsstand, nicht als Produktversprechen.
Quelle
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11275561/

